Gerade rechtzeitig zur Sommer-Saison erscheint Bernhard Linggs Allgäu-Krimi aus Oberstaufen „Ein Dorf stinkt zum Himmel“. Und damit eine überaus unterhaltsame Urlaubslektüre für Oberstaufen-Fans, Einheimische und Kulturliebhaber, die das besondere Lokalkolorit von Allgäu-Krimis schätzen.
Wer in diesen Tagen durch Oberstaufen spaziert, kommt um die Neuerscheinung kaum herum. Das hat einen Grund: Denn genau hier befindet sich der Schauplatz der skurillen Geschichte, die in den 1980er-Jahren geschehen sein soll. Und so hat die Buchhandlung Edele dem neuen Allgäu-Krimi bereits , ein eigenes Schaufenster gewidmet; das Tourismusmarketing veranstaltet am 27. Juli eine Autorenlesung im Kurpark. Und auch in den Cafés, Geschäften und an den Stammtischen der lokalen Wirtshäuser dürfte das Werk schon bald für reichlich Gesprächsstoff sorgen. Spätestens sobald die ersten Leser das Taschenbuch mit 279 Seiten verschlungen haben werden.
Authentische Lesereise: die besten Leseplätze in Oberstaufen
Unser Tipp fürs kommende Wochenende: Besorge Dir das Buch, bummle morgen, also am Freitag, gemütlich über den Wochenmarkt, mach es Dir auf einem der Bänkle rund um den Marienplatz bequem und tauche dann mit dem ersten Kapitel quasi in Echtzeit atmosphärisch in die Geschichte ein.
Dem Verlauf des Tages und der geschilderten Ereignisse folgend wechselst Du dann Bänkle und Leseplätze. So kommst Du rum im Ort:
- Marienplatz, Rathaus: hier nimmt das dörfliche Treiben seinen Lauf
- Kirche, Kirchplatz und Friedhof: Orte für tiefgründige und (humorvolle) Einblicke
- Kurpark und Freibad(weg): perfekt für eine Lesepause an der frischen Luft im Grünen
- Panoramaweg und Kapf: Genieße den Ausblick, während Du schmökerst
- das Moos: mysthisch und unverbaut – noch!
Möglicherweise triffst Du auf Deiner Lesereise sogar auf echte Oberstaufener Originale, die Dich an die Protagonisten im Buch erinnern: (Kur-)Gäste, „Schrothler“, Hoteliers, Ferienwohnungsvermieter, Gastronomen, Landwirte. Den Bürgermeister, den Pfarrer, den Dorfpolizisten, den Immobilienspekulanten, nicht zu vergessen den Gärtner (wir befinden uns schließlich in einem Krimi) – kauzige Typen, die aus einem Bauernschwank stammen könnten. Oder eben aus dem echten Leben.
Der Autor bedient allerlei Klischees: über die Allgäuer im Allgemeinen und die Staufener im Besonderen. Und in jedem Klischee steckt bekanntlich auch ein Fünkchen Wahrheit. Die Grenzen sind jedenfalls fließend, auch wenn dem Buch ein klares Statement des Autors vorangestellt ist: „Personen und Handlung sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.“
Fiktion oder Tatsache? Ein Oberstaufener Schlüsselroman?
Ausflüge nach Steibis, Stiefenhofen, Genhofen und Immenstadt kannst Du Dir auf Deiner Lesereise übrigens sparen, zumindest, wenn Du dem Erzähler der Geschichte glauben magst. Der Roider Stefan schwört nämlich Stein und Bein darauf, dass alles „wahrlich und wahrhaftig so geschehen“ sei, damals, in den 1980er-Jahren. Und der muss es wissen, denn der war leibhaftig mit dabei, als sich die Ereignisse überschlugen und der Skandal binnen kurzer Zeit Oberstaufen bundesweit in die Schlagzeilen brachte.
Erzähler und Autor. Der Roider Stefan und der Lingg Bernhard. Nicht miteinander zu verwechseln. Dennoch verbindet die Beiden nicht nur Herkunft, Alter und das Talent zum Geschichtenerzählen. Beide sind zudem echte Insider, ihre Väter Betreiber des größten Hotels am Platz. Die Neuerscheinung am Ende gar keine Fiktion, sondern ein Oberstaufener Schlüsselroman? Darüber mag sich jeder selbst eine Meinung bilden.
Zarte Liebe in Zeiten des Güllekriegs
Um was geht es überhaupt? Es ist eine durchaus anrüchige, unappetitliche, mitunter auch pikant-schlüpfrige Geschichte, die da erzählt wird. Es geht um den „Güllekrieg“, um den Aufstand der Bauern gegen die Obrigen, die geldscheffelnden Hoteliers und Gastronomen im Dorf, das aus unterschiedlichen Gründen zum Himmel stinkt. Es geht um das Verhältnis von Landwirtschaft und Tourismus in unserem beliebten Kurort; um Erpressung, wirtschaftliche Interessen, dubiose Immobiliengeschäfte, politische Kungelei, Korruption – eben das, was man in Bayern gemeinhin Spezlwirtschaft nennt. Es geht auch um amouröse Beziehungen, um Affären, erotisch-sinnliche Abenteuer und um eine Liebesromanze a la Romeo und Julia auf dem Dorfe.
Unter denkbar ungünstigen Voraussetzungen haben sich Erzähler Stefan und Maria ineinander verliebt. Ausgerechnet. Maria ist die Tochter des rebellischen Bauernanführers Stuttmeier aus Genhofen. Die Väter ärgste Kontrahenten im Güllekrieg, die Kinder miteinander verbandelt. Da sind Konflikte vorprogrammiert. Ob das gut ausgeht?
Slapstick, derbe Sprache, pointenreicher Humor
Neben dramatischer Kriegs- und romantischer Liebesgeschichte beinhaltet das Buch allerlei Klatsch, Tratsch und Anekdoten aus dem Leben von Bewohnern und Gästen am Fuße des Staufen. Etwa darüber, wie der Urlaubsort zu seinem zweifelhaften, verruchten Ruf kam. Wenn ausschweifender Kurbetrieb auf einen immer wieder abschweifenden Erzähler trifft…
Damit wären wir bei der Erzählform und der Sprache. Sie kommt ziemlich schräg und pointenreich daher die Geschichte. In 33 kurzen Kapiteln steigert sie sich mit slapstickartigen Szenen (unübertroffen wie Frau Hahnenried-Holotraublitz als erste und vorerst letzte Urlaubsgästin in Genhofen in die Geschichte eingeht!) bis hin zur „asterixtauglichen Massenschlägerei“. Humor und Sprache sind nichts für zimperliche und zartbesaitete Gemüter. Ziemlich derb geht es zu. Und politisch korrekt ist hier gar nichts. Ausgeteilt wird kräftig nach allen Richtungen, jeder bekommt sein Fett weg. Das ist es, was das Buch so kurzweilig und unterhaltsam macht.
Trotz radikal durchgezogenem Lokalkolorit müssen sich Nicht-Bayern, Nicht-Allgäuer und Nicht-Staufener keine Sorge machen. Erzähler und Autor nehmen eine vermittelnde und versöhnliche Rolle ein. Zwischen Konfliktparteien, über Generations- und Sprachgrenzen hinweg. Mit hilfreichen Erläuterungen zu Begriffen und Grammatik des Allgäuer- bzw. Staufener Dialekts sorgen sie dafür, dass wirklich jeder die stilistischen Feinheiten und Wortwitze versteht und erfüllen damit sogar noch einen Bildungsauftrag.
Vom Erzählen und vom Schweigen
Es mag Leser geben, die sowohl Geschichte als auch Sprache und Humor für vollkommen überzogen halten. Erzähler Stefan sagt über eine Wesensart des Allgäuers und damit auch über sich selbst: „Er neigt kaum zu Übertreibungen und ist ein aufrichtiger und ehrlicher Erzähler. Selbst dann, wenn er schweigt.“ Wer’s glaubt. Stefan behauptet auch: „Weil diese Geschichte aber so hanebüchen war, hat man sie in Oberstaufen so gut es eben ging totgeschwiegen. Schon wenige Jahre später wusste kaum mehr jemand von den Ereignissen.“
Was bleibt ist das Gefühl, als unsichtbarer Zuhörer mit an einem Stammtisch zu sitzen und den bierseligen Gesprächen dort zu lauschen. Der Rest ist Schweigen. „Wenn du schon einmal gesehen hast, wie viel sich schweigende Männer am Stammtisch zu erzählen haben. […] Das Schweigen des Allgäuers kann so laut, so beredt und so gehaltvoll sein, dass manchem nach einem schweigenden Stammtischbesuch noch tagelang die Ohren klingeln.“
Uns klingeln nach der Lektüre die Ohren. Wie gut, dass der Bernhard Lingg aufgeschrieben hat, wie sich der Stefan die Geschichte vom Dorf, das zum Himmel stinkt, von der Seele erzählt hat. Wie wäre es mit einer Fortsetzung? Die zahlreichen Abschweifungen, die nur angedeuteten, nicht zu Ende erzählten und verschwiegenen Geschichten schreien geradezu danach.
Egal, ob Du das Buch an einem der schönsten Leseplätze in und um Oberstaufen liest, an den echten Schauplätzen im Ort oder aber abends gemütlich in deiner Ferienwohnung. Dieser Krimi lässt dich tief in die Seele des Allgäus blicken. Wir wünschen dem neuen Oberstaufen-Krimi jedenfalls viele begeisterte Leser und würden uns nicht wundern, wenn er irgendwann vom Staufner Bauerntheater auf die Bühne gebracht werden würde.
Über den Autor. Bernhard Lingg, geboren 1971, gehört zu einer der renommiertesten Hoteliersfamilien Oberstaufens. Er wächst im elterlichen Betrieb auf, macht eine Ausbildung zum Tourismus-Fachmann und lebt nach beruflichen Stationen bei Hörfunk und Fernsehen als kreatives Multitalent seinen Lebenstraum. Er ist Mitgründer einer Filmproduktionsgesellschaft, ist als Stadionsprecher bei der Vierschanzentournee im Einsatz, moderiert Veranstaltungen, steht mit seiner Musikband „Hindervier“ auf der Bühne und schreibt, wenn er nicht gerade durchs Allgäu radelt, Bücher.
Ein Allgäu-Krimi aus Oberstaufen - Daten und Fakten zum Buch
Titel: Ein Dorf stinkt zum Himmel
Autor: Bernhard Lingg
Verlag: Gmeiner-Verlag, Messkirch (2026)
Ausstattung:
Taschenbuch, 279 Seiten, 14 €,
E-Book, 4,99 €
ISBN: 978-3-8392-8123-9
Exklusiver Service für unsere Gäste: Du musst nicht extra loslaufen! Ein Exemplar von „Ein Dorf stinkt zum Himmel“ liegt ab sofort in der kleinen Gästebibliothek unserer Ferienwohnungen für Dich bereit. Alternativ findest Du es natürlich direkt im Ort in der Buchhandlung Edele in Oberstaufen oder im Buchhandel.